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Dienstag, 07. August 2001
WALLISELLEN / Freiwilligenarbeit für die Erhaltung und Pflege der Natur
Nistkästen für «schnelle Brüter»
Jedes Jahr leisten Mitglieder von Natur- und Vogelschutzvereinen Tausende von Stunden Fronarbeit. Kurt Neuschwander aus Wallisellen ist ein Beispiel dafür. Altershalber übergibt er nun einige Aufgaben an Hans Gossweiler aus Dietlikon.
 
In Kurt Neuschwanders Keller-Werkstatt in Wallisellen ist ein weiterer neuer Nistkasten fertig und bereit zum Aufhängen. (zvg)
 
Der 75-jährige Kurt Neuschwander aus Wallisellen ist seit Jahrzehnten Vogelfreund mit Leib und Seele und Ehrenmitglied in mehreren Vereinen (siehe Kasten). Schon sein Vater zimmerte Nistkästen, um sie in Gärten und Wäldern aufzuhängen. In dessen Fussstapfen baute auch Kurt Neuschwander während seiner Freizeit Hunderte von Nistkästen für verschiedene Vereine in seiner Werkstatt im Keller.

Nach jahrelanger Erfahrung sind diese Kästen heute ausgetüftelt, mit Marderschutz versehen, schützen die Jungvögel gegen Nässe, sind pflegeleicht und vieles mehr. Neuschwander betreute selbst um die 210 Nisthilfen in den umliegenden Dörfern und Wäldern. Nun übergibt er altershalber allmählich einige seiner Aufgaben an seinen Nachfolger, Hans Gossweiler aus Dietlikon.

Vogelschwarm

Wenn Neuschwander die Geschichten über seine Vögel erzählt, kommt er ins Schwärmen. So zum Beispiel, wenn er sich an die Mauerseglerkolonie in der Alten Mühle in Oberembrach erinnert, wo er 71 Nistkästen montierte und seit 15 Jahren betreut, oder wenn er an die zwei Nistkästen für Turmfalken in einem Geräteschuppen in Wangen denkt, die er seit über 40 Jahren pflegt. Dutzende von Jungfalken sind dort geschlüpft.

Die Brüttiseller Mauersegler

Zum Einsatz kam Neuschwander
in Wangen-Brüttisellen auch, als vor rund 12 Jahren das Walder-Fabrikgebäude abgerissen wurde. Damit verloren die Brüttiseller Mauersegler ihr langjähriges Domizil hoch oben unter dem Dach, wo sie ihre Nester gebaut hatten.

Der Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Brüttisellen/Dietlikon/Wangen, Peter Bringolf, bat darauf die Schulpflege um eine Bewilligung, um am Brüttiseller Schulhaus Bruggwiesen Nistkästen für die Mauersegler aufhängen zu dürfen.

Kurt Neuschwander baute zehn Kästen (heute sind es 24) und montierte diese in luftiger Höhe unter dem Dachvorsprung. Nach kurzer Zeit nahmen die schnellen Segler die neuen Nistgelegenheiten an. Seither wachsen jährlich um die 32 Jungvögel darin auf. Zudem kann Neuschwander jährlich noch 40 bis 60 gefundene Jungvögel, welche ihm von der Vogelwarte Sempach und anderen Stellen zugeschickt werden, in diesen Kästen unterbringen. Die Altvögel nehmen den untergeschobenen Zuwachs an Jungen meistens ohne Probleme an.

Oft tagelang ohne Nahrung

Die eleganten Segler, die mit einer Flügelspannweite von 38 Zentimetern etwa 50 Gramm schwer werden, sausen mit ihren typischen «Sriih»-Rufen mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h um die Häuser, flitzen über Wiesen und Wälder oder drehen hoch oben ihre Runden. Geschickt fangen sie mit offenem Schnabel kleine Insekten und formen mit diesen Futterballen für ihre Jungen. Im Nest angekommen, stülpen die Jungen ihren Schnabel über denjenigen des Altvogels, damit dieser die Kugel herauswürgt.

In einem solchen Futterballen konnte Gossweiler 78 Maiszünslerkäfer und 45 andere Insekten zählen. Dies zeigt, wie nützlich die Spyren sind, wie sie auch genannt werden.
Bei Schlechtwetterperioden sind die Altvögel gezwungen, ihr Futter in Entfernungen von bis zu mehreren 100 Kilometern zu suchen. Dadurch bleiben die Jungen oft tagelang ohne Nahrung. Um Energie zu sparen, können sie ihre Körpertemperatur aber für einige Tage von 42 bis auf 25 Grad Celsius senken.

Auf dem Weg nach Afrika

Nun, Anfang August, sind schon fast alle Mauersegler samt ihren Jungen unterwegs auf dem langen Weg in den Süden von Afrika. Im nächsten Jahr, ziemlich genau am 30. April, werden die ersten wieder ihre Nistgelegenheiten in der Schweiz inspizieren. Darauf warten die beiden Vogelfreunde bereits. Sie sind besonders gespannt darauf, ob auch jener Mauersegler zum Nisten wieder zurückkommt, der bereits 18-mal in Brüttisellen gebrütet hat. (e)
 
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